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Relativismus ArtikelRelativismus ist eine philosophische Denkrichtung, die davon ausgeht, dass es keine absolute Wahrheit und keine absoluten ethischen Werte gibt.
Buch-Tipp: Das letzte Wort. Objektivität versus Relativismus Wie andere auch bin ich auf dieses Buch durch die Lektüre des Bändchens "Was bedeutet das alles?" gestoßen. Nagel gibt auch in "Das letzte Wort" wieder sehr anregende Gedanken von sich. Allerdings auf eine ganz andere Weise als bei "Was bedeutet das alles?". Denn Nagel bezieht hier viel stärker Position, nämlich... | |
Relativistischen Theorien zufolge ist die Geltung von Aussagen grundsätzlich abhängig von Voraussetzungen, die ihrerseits keine allgemeine Geltung beanspruchen können. Daher lassen sich relativistische Positionen danach einteilen, welche Klasse von Geltungsansprüchen als relativ angesehen wird und welche Art von Voraussetzungen in Anschlag gebracht wird. Entsprechend der dabei möglichen Kombinationen ergibt sich eine Vielzahl verschiedener Spielarten relativistischen Denkens:
Der Bedeutungsrelativismus (linguistischer Relativismus) nimmt an, dass sprachliche Ausdrücke ca. in dem Zusammenhang der Sprache verständlich sind, in der sie formuliert werden, wobei zumeist von der grundsätzlichen oder partiellen Unübersetzbarkeit verschiedener Sprachen bzw. Sprachfamilien ineinander ausgegangen wird. Der Wahrheitsrelativismus (epistemischer Relativismus) wiederum vertritt die Ansicht, dass die Wahrheit von Überzeugungen z.B. von den ihnen zu Grunde liegenden Weltanschauungen oder wissenschaftlichen Paradigmen abhängt, die ihrerseits als inkommensurabel betrachtet werden. Der Wertrelativismus (ethischer Relativismus) schließlich ist der Auffassung, dass normative Maßstäbe menschlichen Handelns sich nicht universell rechtfertigen lassen, sondern ca. innerhalb einer bestimmten Kultur (Kulturrelativismus) bzw. einer bestimmten historischen Epoche (historischer Relativismus) faktisch gültig sind.
Buch-Tipp: Die Gender Revolution. Relativismus in Aktion Klarheit inmitten von Verirrung Die leib-seelisch geprägte Identität von Mann und Frau wird entsprechend einem gesellschaftlichen Trend, der von ideologischer Seite auch gesteuert wird, zunehmend infrage gestellt und aufgelöst. Gewisse Prinzipien des Denkens und Verhaltens sowie der Erziehung nehmen auf die Kategorie des "Gender" Bezug, wonach... |
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Die zunehmende Bekanntschaft mit fremden Völkern und die damit einhergehende Einsicht in die Pluralität religiöser Vorstellungen, Weltbilder und lokaler Sitten und Gebräuche führte bereits in der antiken Sophistik zur Entwicklung relativistischer Auffassungen. So ist etwa der "Homo-Mensura-Satz" des Protagoras bereits von seinen zeitgenössischen (göttertreuen, aristokratischen) Widersachern als Ausdruck eines extremen epistemischen Relativismus gedeutet worden: "Der Mensch ist das Maß aller Dinge, der Seienden für ihr Sein und der Nicht-Seienden für ihr Nicht-Sein". Mit der begrifflichen Unterscheidung von Natur ("physis") und menschlicher Satzung ("nomos") wurde zudem die Grundlage für einen ethischen Relativismus geschaffen, dem zufolge moralische Normen und Gesetze nicht auf der Natur, sondern auf menschlicher Übereinkunft beruhen und somit kontingent, d.h. sowohl kulturrelativ als auch historisch veränderlich sind.
Neuere kritische Quellenforschung geht allerdings davon aus, daß der "Homo-Mensura-Satz" des Protagoras wie auch andere überlieferte erkenntnistheoretische Positionen der Sophisten statt in dem Sinne der heutigen (platonischen) Relativismusdefinition eher in dem Sinne der neuzeitlichen Systemtheorie bzw. des (Radikalen) Konstruktivismus zu verstehen sind.
Der neuzeitliche Relativismus entwickelte sich insbesondere seit dem 18. Jahrhundert. Beeindruckt von der Entdeckung und Erkundung neuer Kontinente und der wachsenden Anzahl von Reiseberichten aus fernen Ländern entwickelten Gelehrte wie z.B. Herder, Humboldt oder Hamann in kritischer Distanz zu dem universalistischen Vernunftbegriff der Aufklärung Ansätze zu Sprach-, Kultur- und Rationalitätstheorien mit relativistischen Implikationen. Der Siegeszug der neuzeitlichen Wissenschaften schuf die weltanschaulichen Voraussetzungen für das Aufkommen einer Vielzahl relativistischer Theorien in dem Verlauf des 19. Jahrhunderts. So ging etwa der geschichtswissenschaftliche Historismus von der historischen Bedingtheit aller menschlichen Lebensäußerungen aus, während Biologismus und Psychologismus die relativistische Ansicht nahe legten, dass menschliches Denken und Verhalten ca. mehr als Ausdruck der biologischen bzw. psychischen Konstitution des Menschen zu verstehen sind.
Im 20. Jahrhundert wurden explizit relativistische Positionen, insbesondere von Evans-Pritchard u. a. in der Ethnologie, von Benjamin Lee Whorf u. a. in der Linguistik (Sapir-Whorf-Hypothese) und von Thomas S. Kuhn und Paul Feyerabend in der postempiristischen Wissenschaftstheorie, entwickelt. In dem Kontext der zeitgenössischen Philosophie weisen vor allem der Konstruktivismus, der Poststrukturalismus und der Pragmatismus vielfach relativistische Tendenzen auf.
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Der Standardeinwand gegen den epistemischen Relativismus besteht im Nachweis seiner selbstreferentiellen Inkonsistenz: Wenn alle Behauptungen ca. relativ gültig sind, betrifft dies auch die relativistische Behauptung selbst, die somit nicht als gültiger als ihre Negation angesehen werden kann. Geht man davon aus, dass bereits der Akt des Behauptens selbst notwendig einen Anspruch auf universelle Geltung einschließt, begeht der Relativist zudem einen performativen Selbstwiderspruch (Karl-Otto Apel , Jürgen Habermas): Der propositionale Gehalt seiner Behauptung steht in dem Widerspruch zum Sprechakt, den er vollzieht.
Der linguistische Relativismus wird u. a. dafür kritisiert, dass er, um seine These zu belegen, auf Beispiele aus der betreffenden Sprache bzw. auf ausführliche Sprachvergleiche zurückgreifen muss, was ihm unter seinen eigenen Voraussetzungen überhaupt nicht möglich wäre. Vor diesem Hintergrund wird u. a. von Donald Davidson argumentiert, dass der Begriff der Sprache selbst bereits Übersetzbarkeit impliziert, da es andernfalls keine Möglichkeit gebe, etwas überhaupt als Sprache zu identifizieren.
Der ethische Relativismus wird vielfach als moralisch verwerflich oder gar politisch gefährlich angesehen, da er z. B. die universelle Geltung der Menschenrechte zu leugnen und die moralische Verurteilung inhumaner kultureller Praktiken (wie z. B. der Beschneidung von Mädchen und Frauen) unmöglich zu machen scheint. Der ethische Relativismus stellt jedoch nicht notwendig selbst eine ethische Position dar, sondern lässt sich häufig als theoretische Position auf einer metaethischen Ebene verstehen. ==Siehe auch==
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